Preisstrategie für Agenturen mit 10+ Mitarbeitenden

Warum klassische Kalkulationen nicht mehr funktionieren – und was stattdessen trägt

Ab einer gewissen Größe steht jede Agentur vor derselben Herausforderung:
Mehr Mitarbeitende, höhere Fixkosten, komplexere Projekte – aber die Margen wachsen nicht im gleichen Verhältnis.

Viele Agenturen arbeiten mit 10, 15 oder 30 Mitarbeitenden, sind gut ausgelastet, haben starke Referenzen – und trotzdem bleibt am Ende weniger übrig als erwartet. Der Grund liegt fast nie in mangelnder Nachfrage oder fehlender Qualität.

Er liegt in der Preisstrategie.

Warum Preisstrategie ab 10 Mitarbeitenden kritisch wird

Solange eine Agentur klein ist, lässt sich vieles kompensieren:
Ein engagierter Gründer, flexible Arbeitszeiten, projektbasierte Preise, spontane Entscheidungen.

Mit wachsendem Team funktioniert das nicht mehr.

Ab etwa 10 Mitarbeitenden entstehen neue Realitäten:

  • Hohe fixe Personalkosten

  • Projektmanager, interne Abstimmungen, Overhead

  • Vertrieb, der konstant liefern muss

  • Kunden, die Professionalität und Verlässlichkeit erwarten

Wer hier noch mit Stundensätzen, Bauchgefühl oder Wettbewerbsvergleichen arbeitet, baut unbewusst ein strukturelles Risiko auf.

Das Ergebnis:

  • Volle Auftragsbücher, aber geringer Cashflow

  • Preisdiskussionen trotz Premium-Anspruch

  • Projekte, die „gut aussehen“, aber wirtschaftlich schwach sind

Der größte Fehler: Preise aus der Innenperspektive denken

Viele Agenturen kalkulieren rückwärts:

Kosten + gewünschte Marge = Preis

Das wirkt logisch – ist aber strategisch zu kurz gedacht.

Denn Kunden kaufen keine Stunden, Rollen oder interne Prozesse.
Sie investieren in Ergebnisse, Sicherheit und Entscheidungsentlastung.

Je größer die Agentur, desto wichtiger wird ein Perspektivwechsel:
Weg von interner Kalkulation – hin zu externer Wertlogik.

Preis ≠ Leistung

Preis ist Kontext

Ein häufiger Denkfehler:
„Wenn wir mehr liefern, können wir mehr verlangen.“

In der Praxis ist oft das Gegenteil der Fall.

Zu viel Leistung:

  • macht Angebote unklar

  • verlängert Entscheidungsprozesse

  • lädt zum Vergleichen ein

Eine funktionierende Preisstrategie reduziert nicht Leistung – sie schärft Wirkung.

Starke Agenturen verkaufen keine To-do-Listen, sondern:

  • Klarheit

  • Führung

  • Risikoübernahme

  • messbare Business-Relevanz

Warum Stundensätze ab dieser Größe nicht mehr skalieren

Stundensätze sind für Agenturen mit 10+ Mitarbeitenden aus mehreren Gründen problematisch:

  1. Sie koppeln Umsatz an Zeit
    Effizienz wird bestraft, nicht belohnt.

  2. Sie machen Leistungen vergleichbar
    Vergleichbarkeit führt immer zu Preisdruck.

  3. Sie entwerten Seniorität
    Erfahrung reduziert Zeit – aber nicht den Wert.

  4. Sie verhindern strategische Preissprünge
    Große Sprünge lassen sich kaum begründen.

Eine skalierbare Agentur braucht paketierte, kontextbasierte Angebote – keine offenen Zeitmodelle.

Die drei Ebenen einer tragfähigen Preisstrategie

Eine stabile Preisstrategie für größere Agenturen basiert auf drei Ebenen:

1. Positionierung

Preis entsteht nicht im Angebot – sondern davor.

Ohne klare Positionierung wird jede Preiserhöhung zur Diskussion.
Mit klarer Positionierung wird sie zur logischen Konsequenz.

Fragen, die hier entscheidend sind:

  • Für welche Probleme seid ihr erste Wahl?

  • Für wen seid ihr bewusst nicht relevant?

  • Welche Entscheidungen nehmt ihr Kunden ab?

2. Angebotsarchitektur

Nicht was ihr tut, sondern wie ihr es strukturiert, entscheidet über den Preis.

Erfolgreiche Agenturen arbeiten mit:

  • klaren Leistungsrahmen

  • definierten Ergebnissen

  • festen Preispunkten

  • bewussten Grenzen

Das schafft Sicherheit – auf beiden Seiten.

3. Preispsychologie & Entscheidungslogik

Preise müssen nicht nur stimmen, sie müssen verständlich und anschlussfähig sein.

Menschen entscheiden nicht rational – sondern im Kontext:

  • Vergleich

  • Vertrauen

  • Risiko

  • wahrgenommene Führung

Eine gute Preisstrategie führt Kunden durch diese Entscheidung – statt sie damit allein zu lassen.

Wann Agenturen ihre Preisstrategie überdenken sollten

Spätestens dann, wenn:

  • Projekte „eigentlich gut bezahlt“ wirken, aber wenig Marge bringen

  • das Team wächst, der Gewinn aber stagniert

  • Preiserhöhungen intern diskutiert, aber extern vermieden werden

  • immer mehr individuelle Angebote nötig sind

  • Kunden häufiger über Preise verhandeln

Das sind keine operativen Probleme.
Das sind strukturelle Signale.

Fazit: Preisstrategie ist Führungsarbeit

Für Agenturen mit 10+ Mitarbeitenden ist Preisstrategie kein Excel-Thema mehr.
Sie ist ein Führungsinstrument.

Sie entscheidet darüber:

  • wie sicher ihr planen könnt

  • wie souverän ihr verkauft

  • wie attraktiv ihr als Arbeitgeber seid

  • wie unabhängig ihr von Einzelkunden werdet

Wer hier klar führt, muss weniger erklären.
Und wer weniger erklären muss, verkauft zu besseren Bedingungen.

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